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Baustile & Epochen

Historismus ( 1810 - 1920)

Stil der abendländischen Kunst vom Ende des Klassizismus bis zum Jugendstil (ca. 1810-1920). Sein Hauptkennzeichen ist die Nachahmung historischer Baustile. Seine Anfänge liegen noch in der Zeit des Rokoko, in der es zu vereinzelten Nachahmungen des gotischen (Neugotik, Neogotik) und des griechischen Stils (Greek Revival und Klassizismus) kam.

In der Zeit der Romantik nach 1800 versuchten Architekten des ausgesprochenen Klassizismus wie Schinkel in Deutschland oder Nash in England bereits, in mehreren Stilarten der europ. Vergangenheit zu bauen, doch erst in den 30er Jahren des 19.Jhs. kam die gleichzeitige Nachahmung mehrerer vergangener Stilformen auf, so daß in manchen vom Historismus geprägten Stadien geradezu eine Art von überdimensionalem Architekturmuseum entstand, wie z. B. in München oder Wien (Bauten der Ringstrasse).

Die Anfänge der Neurenaissance liegen in Frankreich schon bei Ledoux und im Empire, nach 1830 beginnt man die eigene frz. Renaissance nachzuahmen (Restauration des Rathauses von Paris).

In England baute schon Nash eine Villa im ital. Stil (Cronkhill, 1802), dann folgen Barrys Travellers' Club (1829) und Reform Club (1837), beide in London. Mode wird der Stil aber erst in den 60er und 70er Jahren des 19.Jhs.

In Deutschland bezeichnet Klenzes Palais Leuchtenberg im Stil der Renaissance in München (1816) den Beginn, dem hier dann eine ganze Reihe von Bauten folgten z.B. die Staatsbibliothek (von Gärtner, 1831-42), die Residenz (von Klenze), die Feldherrnhalle (von Gärtner, 1841-44) u.a.

Der erste Bau in Dresden ist Sempers Opernhaus in der ersten Fassung (1838) und die Gemäldegalerie (1843), im Schloßbau beginnt G.A. Demmlers und F.A.Stülers Schweriner Schloss (1844) mit der Nachahmung der frz. Renaissance.

Nach dem Krieg von 1870/71 kommt es in Deutschland dann zu häufigen Nachahmungen der sog. dt. Renaissance, vor allem bei Wohnbauten. In dieser Zeit können sämtliche bekannte Stilarten oft gleichzeitig (Eklektizismus) an einem einzigen Bauwerk auftreten.

Ansätze zu einer freien Gestaltung mit Stilelementen der Romanik finden sich schon zu Ende des 18.Jhs. bei Soane und Gilly. Der Rundbogenstil lässt sich nur sehr bedingt als Neuromanik bezeichnen. Zwar kommt es im Verlaufe des 19. Jhs. reinen Stilnachahmungen, auch gewinnt das Kraftvolle und Monumentale der Romanik an Bedeutung, doch tritt die Nachahmung meist zugunsten einer freien Interpretation zurück. Dies gilt ebenso für amerik. Architekten wie Richardson (Marshall Field Warehouse in Chicago), der von Vaudremer abhängt, wie auch noch für Bonatz (Stuttgarter Hauptbahnhof).

Der Neubarock bestimmt vorwiegend das Ende des 19.Jhs. (Wilhelminischer Stil, Edwardian Style).

Seine Anfinge liegen im Frankreich Napoleons m., und er gipfelt in Charles Garniers Pariser Oper (1861-75) und Poelaerts Brüsseler Justizpalast (1866-83)

In Deutschland ist das beste Beispiel dafür Wallots Reichstag (1884-94) in Berlin, in Italien das Denkmal für Vittorio Emanuele u. in Rom (beg. 1884). Seit den 30er Jahren des 20. Jhs. lässt sich eine Bewegung beobachten, die man .Neohistorismus genannt hat. Sie orientierte sich anfangs hauptsächlich am Klassizismus (Neoklassizismus), seit den 50er Jahren aber auch an den Stilen, die im I. Viertel d. 20.Jhs. geboren wurden, so den verschiedenen Spielarten des Jugendstils: Neojugendstil, Neo-De Stijl, Neo-Gaudi etc., und am dt. Expressionismus: Neoexpressionismus. Auch die sog. Postmoderne zeigt neohistorische Tendenzen.

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