Die
Romanik ist der Stil der abendländischen Kunst im frühen Mittelalter. Die Bezeichnung stammt aus Frankreich und verweist auf die Verwandtschaft der Romanik zur Römischen Architektur, von der sie den Rundbogen, den Pfeiler, die Säule und den Gewölbebau sowie den Sinn für Monumentalität und Weiträumigkeit übernahm. Die Romanik entstand unter den otton. Kaisern in Deutschland und erfuhr in Frankreich vor allem in Burgund und der Normandie und in Oberitalien
und der Toskana ihre reichste Ausprägung. Gewöhnlich wird die Epoche der Romanik in drei Abschnitte unterteilt: Die Erste Romanik oder Frühromanik beginnt um 1000, ihr Formenrepertoire ist bereits vorhanden und wird voll entwickelt bis um 1080, wo dann die Blütezeit der Romanik bis etwa 1150 einsetzt. Die dritte Phase, die auf Deutschland beschränkt ist und parallel zur frz. Frühgotik läuft, ein passiver Übergangsstil, reicht von ca. 1150-1250. Ein
Hauptkennzeichen der Romanik ist die klare Gliederung des Kirchenschiffes in rhythmische Abschnitte, die sich zum Gebundenen System mit ausgeschiedener Vierung entwickelt: Dem im Grundriss quadrat. Joch des Hauptschiffes entsprechen je zwei quadrat. Seitenschiffsjoche von halber Seitenlänge. Die gebräuchlichste Art des Grundrisses ist die Kreuzform mit gesonderter Vierung, wobei der Ostabschluß immer reicher ausgebildet wird; es kommt auch die Verdoppelung von
Querschiff und Chor durch Ausbildung eines Westchores vor. Im Aufriss sind Emporen möglich (Frankreich, England, auch Oberitalien), aber nicht unbedingt erforderlich (z. B. fehlen sie in Speyer, Mainz und Cluny). Die abwechselnde Verwendung von Säulen und Pfeilern, die strenge Gliederung der Wände durch Halbsäulen, Lisenen und Rundbogenfriese vermitteln einen Eindruck von grosser Klarheit und Bestimmtheit. Die Vierung, in deren Mitte der Altar steht,
wird häufig durch einen mächtigen Turm betont (Tournus, Cluny, Durham), der Westabschluß manchmal durch ein Westwerk, das später durch Türme verstärkt wird (Corvey a. d. Weser), St. Pantaleon, Köln, häufig aber durch eine Doppelturmfassade (Normandie, England); die Zahl der Türme an Ost- und Westseite nimmt im Verlaufe der Entwicklung zu und bestimmt vor allem die Phase der Hochromanik in Deutschland (Speyer, Worms, Mainz, Maria Laach). Viele roman.
Kirchen besitzen eine Krypta, die sich ursprünglich nur unter dem Chor befand, aber oft, als Hallenkrypta ausgebaut, fast den Umfang einer Unterkirche annahm. Hier finden sich die ersten Ansätze zu Kreuzgewölben, die um das Jahr 1000 auch für die Seitenschiffe an Bedeutung gewinnen. Etwa ab 1080 wagt man Gewölbe mit grösseren Spannweiten zu bauen, wobei die Entwicklung regional sehr verschieden verläuft: Tonnengewölbe in Spanien und Frankreich, oft als Spitztonne gestaltet (Burgund, Poitou);
Kuppeln in Südwestfrankreich (Aquitanien); Rippengewölbe in der Lombardei und Durham; Kreuzgratgewölbe in Deutschland (Gewölbe 1114). Die Romanik ist geprägt durch die Addition einzelner, plastisch durchgeformter Bauglieder, die, auch im Aussenbereich durch Türme klar akzentuiert, im Gegensatz zum Verschleifen der Raumteile in der Gotik stehen, wobei eine Tendenz zur reicheren und vielfältigeren Durchformung und eine stärkere Ausbildung
der Bauplastik im Verlaufe der Entwicklung erkennbar sind. Wichtig wird vor allem die Gestaltung des romanischen Stufenportals und die Bereicherung durch Gewände-Figuren (Chartres, Königsportal), die die Gotik vorbereiten. |